DIE NASHÖRNER

„Okay, okay. So etwas dürfte es nicht geben. Das ist vollkommen absurd. Ganz richtig. Aber wegen dem Biest musst du dich doch nicht mit mir streiten.
Was für ein Drama du machst, nur wegen einem x-beliebigen, dahergelaufenen Unpaarhufer, der zufällig an uns vorbeigekommen ist?“
-Bérenger aus „Die Nashörner“ von Eugene Ionesco

In seiner tragischen Farce „Die Nashörner“ zeigt Eugene Ionesco eine Provinzstadt, in der eines Tages ein Nashorn durch die Straßen stürmt. Mit der Zeit werden es immer mehr Nashörner. Bald wird klar, dass es sich hierbei nicht einfach um wilde Tiere handelt, sondern vielmehr um die Bewohner*innen der Stadt, die sich nach und nach alle in Nashörner verwandeln. In immer größer werdenden Herden ziehen sie durch die Straßen und zertrümmern die menschliche Zivilisation.

Einzig die Hauptfigur Bérenger, ein etwas naiver Büroangestellter, und seine Freundin Daisy können sich dieser scheinbaren Epidemie noch eine Zeit lang entziehen. Doch auch Daisy entwickelt zunehmend Sympathien für die starken, widerstandsfähigen Nashörner und beginnt zu hinterfragen, ob nicht sie, als Mensch, falsch ist. Letztlich verwandelt auch sie sich in ein Nashorn und Bérenger bleibt als einziger Mensch zurück. Unfähig sich zu verwandeln, schließt das Stück mit seinen Worten „Ich bin der letzte Mensch. Ich werde es bleiben, bis zum Ende! Ich kapituliere nicht!“

Mit dem Motiv des ‚Nashorn-Syndroms’ hinterfragt Ionesco die verborgenen Triebkräfte von Massenbewegungen, die sich einer rationalen Logik verschließen. Menschliche Kultur und Moral erweisen sich dabei als fragile Gebilde, deren Zwängen sich der Einzelne gar zu gern im Schutz der Herde entledigt. Dagegen kann auch Bérengers leere Pose am Ende nichts ausrichten.

Die Freie Bühne München entwickelt auf Basis dieses Stückes eine Inszenierung im digitalen Raum. In Anbetracht von globalen gesellschaftspolitischen Entwicklungen in Zeiten von Pandemie und Digitalisierung ist Ionescos Stück aus dem Jahre 1959 beängstigend aktuell.

Die Inszenierung wird am 09. und 10. Oktober live im Internet gestreamt.

Alle Aufführungen werden untertitelt.

Premiere:

09. Oktober 2020, 20:00 Uhr, auf unserem YouTube-Kanal

weitere Termine:

10. Oktober 2020, 20:00 Uhr, auf unserem YouTube-Kanal – mit Gebärdensprachdolmetschung

Mit: Dennis Fell-Hernandez, Luis Goodwin, Frangiskos Kakoulakis, Stefan Kastner, Fabian Moraw, Veronika Petrovic, Gesa Romm, Luisa Wöllisch

Regie: Jan Meyer
Regie-Assistenz: Magdalena Vaith
Kostüme/Maske: Christiane Gassler
Videodesign/Technik: Raphael Kurig (WeAreVideo)
Digitale Visualisierung: Christian Gasteiger(WeAreVideo)
Sprach-Coach: Thomas Koch
Grafik-Design: Anca Goodwin
Produktionsleitung: Marie-Elise Fell
Gesamtleitung: Angelica Fell

Wir bedanken uns bei unseren Förderern und Kooperationspartnern: